Bewässerung

Bewässerung der ökologischen GRÜNS

Grundsätzlich ist der Bau von unterirdischen Bewässerungssystemen hier in Deutschland viel zu oft noch ein Prestigeproblem, als tatsächlich ein wirkliche Notwendigkeit. Viel zu viele Möglichkeiten, die weitaus ökonomischer und ökologischer sind, stehen uns aber zur Auswahl und zur Verfügung.

Als nach dem Krieg, die amerikanischen Besatzungstruppen den ersten Golfplatz mit unterirdischer Bewässerung , den Rheinblick bei Wiesbaden bauten, ahnten die meisten deutschen Golfer/innen gar nichts von dieser Möglichkeit.

Aber als wenige Jahre später die ersten Golfplätze wieder in deutsche Hände übergingen und Geld in die Clubkassen floss, wurde es den Verantwortlichen plötzlich klar, dass man ohne die Bewässerung nach amerikanischem Vorbild, wie im Golfclub Rheinblick gar nicht mehr leben konnte.

Wie bei all meinen Vorträgen räume ich auch hier ausdrücklich ein, dass es Golfanlagen in Ballungsräumen, ebenso wie Meisterschaftsanlagen geben wird, die das gebrauchen und bezahlen können. Diese Anlagen sind dann Parkanlagen gleich, besonders dann, wenn auch die Fairways bewässert werden können. Wir bespielen diese Anlagen mit Freude und sind beglückt von ihrem Anblick ob live oder im Fernsehen.

Deshalb muss von Fall zu Fall entschieden werden. Denn zur Bezahlung gehört natürlich nach dem teuren Einbau einer solchen automatischen, oder halbautomatischen Bewässerungsanlage, die Wartung und Unterhaltung. Letzteres wurde bei sämtlichen Planungen, die ich im nachhinein einsehen konnte, völlig unterschätzt. Wie viele beschädigte Sprinkler fallen uns auf und wie viele Abdeckungen finden wir eingebrochen, wenn wir mit wachem Auge über die Golfplätze wandern. Diese Reparaturen sind nicht nur enorm teuer, sondern auch für das, an regelmäßige Bewässerung gewöhnte Wachstum dieses Grases unbedingt erforderlich.

Dazu kommt, dass ein sparsames Bewässern , sobald eine Bewässerungsanlage gebaut ist, kaum noch praktiziert wird. Ob wohl das möglich wäre. Andererseits und außerdem wird das Wasser nicht nur bei uns in Deutschland immer teurer und so zu einem zusätzlichen hohen Kostenfaktor. Einmal damit begonnen, ist der Greenkeeper aber diesem Moloch für immer ausgeliefert.

Die Entscheidung für oder gegen eine unterirdische Bewässerung verlangt vom Golfplatzbauer bereits zu Beginn seiner Planung genaueste Information über die natürliche Niederschlagsmenge in der Region vom Wetteramt. Auch alt eingesessene Menschen, möglichst Landbewohner geben sehr wertvolle und richtige Hinweise, wann und wie lange mit Trockenperioden in Jahr zu rechnen ist, damit der Planer entsprechende Wasserreserven anlegen kann. Weiterhin benötigt er eine genaue Vorstellung vom späteren Spielbetrieb, der Frequentierung des Platzes, und den damit verbundenen realistischen Einnahmen. Denn bereits beim Bau der Grüns werden die Weichen gestellt. Hier muss entschieden werden, ob amerikanische Grüns mit ihrem sehr hohen Sandanteil und wenig Humus oder viel billigere traditionelle Grüns gebaut werden. Damit bereits entscheidet sich auch schon die spätere Pflege und Düngung der Grüns. Da amerikanische Grüns ständig bewässert und gedüngt und mit Chemikalien traktiert werden, sind die Grünsflächen nach kurzer Zeit tote Flächen. Totes Land. Totes Land aber muss mit Maschinen bearbeitet werden ( das bedeutet, spiken und alles was danach erforderlich ist) und im Winter müssen diese Grüns, mit ihrem feinen und empfindlichen Gras, das oft genug noch mit Samen aus Amerika und damit einem ganz anderen Klima wie hier , eingesät wurde, meistens gesperrt werden, sofern sie nicht unter einer wärmenden Dunstglocke einer Großstadt liegen. Traditionelle Grüns dagegen leben. Hier wird nicht mit Chemie jedes Leben zerstört und die Regenwürmer, die guten, billigen Mitarbeiter können ihre wertvolle Arbeit verrichten. Es gibt keine Rasenkrankheiten.... und keine damit verbundene Kosten.

Eine weitere Überlegung muss auch jetzt schon sein, wo die sogenannten Wintergrüns hin gebaut werden. Immer wieder stelle ich mit Erstaunen fest, dass selbst auf gut gestalteten Golfplätzen diese wichtige Überlegung vergessen wurde. Es werden wunderschöne Grüns angelegt und mit Wasser oder Bunkern geschützt, dass es ein Vergnügen ist, diese anzugreifen und zu bespielen. Kommt dann die kalte Jahreszeit, so sucht sich der Greenkeeper ein mehr oder weniger geeignetes Plätzchen und beginnt schon mal aus dem Fairway heraus eine Fläche zu mähen. Wie das dann wird, kennt jede Golferin/jeder Golfer aus eigener Erfahrung und er/sie ist nicht sehr glücklich darüber.

ZweitgrünsRechtzeitig, also bereits bei der Planung der Anlage, sollten deshalb auch diese Winter - ich möchte sie lieber Zweitgrüns nennen - eingeplant und mit gestaltet werden. Es ist mir bis heute nicht klar geworden, warum das von Fachfirmen immer wieder vernachlässigt wird. Möglicherweise sind es Kostengründe, die bei amerikanischen Grüns sehr hoch sein können. Bei traditionellen Grüns sind die Kosten sehr viel geringer und fallen kaum ins Gewicht, wenn sie nicht in Hindernisse eingebettet werden und nur als Ausweichmöglichkeit verwendet werden sollen. Zum Beispiel dann, wenn die Hauptgrüns bearbeitet werden: beim Mähen, fährt der Greenkeeper zu erst über das Zweitgrün und tauscht dann den blauen Pfahl mit der Fahne des Hauptgrüns aus. Das geht blitzschnell und hält den Spielbetrieb nicht auf. Bringt also zufrieden Golfer/innen und mehr Gewinn für den Verein oder den Golfplatzbetreiber durch mehr Frequenz. Ebenso ist es beim Sandeln und allen anderen Arbeiten; aber auch bei Trockenheit.

Die Kosten ihrer späteren Pflege , das gesamte Jahr hindurch, können nicht der Grund sein, dass diese Zweitgrüns nicht von Anfang an bei der Planung des Platzes, eine geeignete planierte Stelle in der Nähe des Hauptgrüns gefunden haben, denn diese Kosten sind sehr gering. Hierfür habe ich in Arbeitszeit- und Maschinenzeitstudien über Jahre, genaue Zahlen ermittelt. Danach ist eine Pflege der Zweitgrüns zusammen mit den Hauptgrüns ca. 17% teurer als die Pflege nur jeweils eines Grüns. Dies ist abhängig vom Wetter und der Qualifizierung des Greenkeepers und seiner Maschine. Das zweite immer mitgepflegte Grün bringt aber eine Verbesserung der Bespielbarkeit der Anlage und in erster Linie trägt es zu einer enormen Schonung des Hauptgrüns bei, was wiederum zu großen Einsparungen bei der Platzunterhaltung führt. Diese Einsparungen sind weit höher als die geringen Kosten der Pflege der Zweitgrüns.

In der Praxis wird dieses Prinzip bei den Abschlägen ganz selbstverständlich angewendet.

Man hat hier nicht nur verschiedene Abschläge für Damen und Herren und die Pros, sondern auch so groß dimensionierte Flächen, dass ein versetzen und regenerieren der benutzten und beschädigten Stellen leicht möglich ist.

Beabsichtigt also ein Golfplatzplaner auf eine unterirdische automatische Bewässerungsanlage zu verzichten, will er nur Himmelswasser und kein Grundwasser verwenden, so kann das Kostengründe haben. Es besteht auch die Möglichkeit, dass dies von der Genehmigungsbehörde so gefordert wird.

Selbst im wasserreichen Vogelsberg wurde eine Platzerweiterung bereits 1986 nur unter der Bedingung erlaubt, dass kein Grundwasser für die Beregnung Verwendung findet.

Der Planer wird sich die notwendigen elementaren Informationen über Klima und Niederschläge beschaffen und entsprechend bauen.

Wasserreservate
Auf der einen Seite werden Wasserreservate gebraucht in denen Regenwasser gesammelt werden kann. Auf der anderen Seite befinden sich die zu bewässernden Flächen, in erster Linie sind das die Grüns, möglicherweise auch Abschläge, oft weit auseinander gelegen. Dazwischen liegt der Transport des Wassers von einem oder mehreren Sammelplätzen zu den verschiedenen Grüns und Abschlägen.

Die Wasserspeicher können in Form von, mit Plastikplanen ausgelegten Teichen, in denen Pflanzen und Tiere leben, geschaffen werden. Dies bereichert die Gestaltungsmöglichkeit der Golfanlage und kann einer Vernetzung beruhigter Zonen dienlich sein. Eine spezielle Beschreibung über den naturgerechten Bau von Teichen, aus den Händen von Fachleuten, sei empfohlen (oder kann hier angefordert werden) und vereinfacht diese Arbeiten ungemein und beugt Fehlern und unnötigen Kosten vor.

Die Beschaffung des Regenwassers erfolgt am einfachsten von Dächern des Clubhauses und der Nebengebäude, wie Maschinenhallen usw.

Es besteht auch die Möglichkeit Regenwasser zusätzlich aus den Wegseitengräben (oder Flutgräben genannt), die an allen Straßen und Wegen, meist auch an landwirtschaftlichen Wegen das Wasser sammeln und ableiten, in die Teiche einzuführen. Auch Tainagewasser aus Wiesen wird in diesen Wegseitengräben aufgefangen. Es handelt sich hier ausschließlich um Himmelswasser. Dennoch sollte der Anschluss von Wegseitengräben an die Wasserspeicher mit den zuständigen Naturschutzämtern abgesprochen werden. Untersuchungen haben bei mir im Vogelsberg ergeben, dass dieses Regenwasser gleichwohl einen Anteil an Düngestoffen enthalten hat.

Eine andere Speicherung von Regenwasser ist in Tanks möglich.

Gebrauchte Tanks von Speditionen oder Tankstellen dürfen nur in gereinigtem Zustand entsorgt, d.h. verschrottet werden. Solche gereinigten Tanks konnte ich preisgünstig anschaffen und bei sowieso vorgenommenen Baggerarbeiten beim Clubhausbau, mit in die Erde verlegen lassen. Hier wurde dann vom Dach aus schon in den Wintermonaten Wasser für die Monate Mai und später nochmals für den Monat August angesammelt.

Die Wasserversorgung aus diesen Tanks erwies sich als ebenso unkompliziert wie effizient. Keine Beschädigung der Pumpen, keine Verschmutzung der Filter. Einsatz jedweder Pumpe, z.B. Elektropumpen, aber auch die höchst leistungsfähigen, robusten und unkomplizierten Zapfwellenzahnradpumpen sind möglich.

Für den Transport des Wassers zum Verbrauchsort bieten sich zwei Möglichkeiten an. Eine sehr vereinfachte unterirdische Verlegung flexibler Hartplastikschläuche, mit denen durch Pumpen das Wasser zu zentralen aber sicheren, also nicht befahrenen Punkten, in der Nähe der Sommer- und den Wintergrüns ( oder Haupt- und Zweitgrüns) befördert wird. Hier nun kann der Greenkeeper mit einem mitgeführten Schlauch seinen mobilen Regner anschließen und diesen so aufstellen, wie es die Windrichtung und die Bedürfnisse der zu bewässernden Flächen auch tatsächlich brauchen. Dabei wird, wie bei anderen Arbeiten, der Spielbetrieb nicht gestört. Diese Methode kann man nicht als Automatische Bewässerungsanlage bezeichnen. Sie ist nicht nur billiger, sondern auch unvergleichlich störungsunanfälliger, weil keine Regner und Elektronik verwendet werden. Den Vorzug hat in der Praxis aber der Transport des Wassers in Wassertanks an einem Traktor bei uns gewonnen. Das ist nicht nur bei 9 Loch Plätzen viel praktischer, weil es eine ganze Reihne von Vorteilen mit sich bringt.

Denn dabei hatte sich die Möglichkeit der gleichzeitigen Düngung mit ergeben. Unsere Düngelauge/Konzentrat wurde in der notwendigen , also in unterschiedlicher Menge dem Wasser im Tank beigefügt. Die Menge des selbstangesetzten Düngekonzentrates ist vom Zustand der Grüns und von der Wetterlage abhängig. Bei heißem Wetter haben wir die Beifügung von Dünger sparsamer vorgenommen. Es wurde dann natürlich zum einen mehr Wasser ausgebracht und die Gefahr von Verbrennungen durch Überdüngung muss an heißen Tagen ausgeschlossen werden. Wobei darauf hinzuweisen ist, dass die Gefahr von Verbrennungen durch Überdüngung mit organischem Dünger im Beregnungswasser sehr gering ist. Wir hatten nie Probleme.

Alles in Allem haben wir unsere Grüns mit dieser Methode effizient und kostengünstig , unterhalten , also gute Ergebnisse erzielt. Sollten Sie spezielle Fragen haben, so zögern Sie bitte nicht, mich wieder anzurufen .

Anbei füge ich einen Bericht über die Grüns bei, der aus einem Konglomerat von Berichten über die Bau- und Pflegepraxis des Golfplatzes in Schotten stammt.

Grüns
Zweitgrüns