BAU der GRÜNS
Nachdem wir zunächst die Bahnen des Golfplatzes besprochen haben, gehen wir an den Ausbau der Grüns:
Die Grüns sind auf jedem Golfplatz die Heiligtümer und die Sorgenkinder. Es ist verständlich, dass dafür auch die umfangreichste Literatur über Baumethoden existiert.
Die Konstruktion der Grüns, wie sie derzeit noch in Mitteleuropa praktiziert wird, aber längst überholt und von jeher unsinnig fremdbaustoff- und kostenbelastend ausgeführt wird, ist zwangsläufig verbunden mit einem enorm hohen Wasserverbrauch. Diese Konstruktion ist darauf ausgerichtet, alles Wasser, sofort "durchzulassen"; es also sofort in den Untergrund versickern zu lassen. Es müssen deshalb Unmengen Wasser auf den Grüns ausgebracht werden. Wir haben in Versuchen in Österreich herausgefunden, dass 80 bis 90% des Wassers ungenutzt versickert oder verdunstet ist.. Je nach Tageszeit und Temperatur.
Geringe Abhilfe wird mit in Folien verlegten Grüns mit Rohrdrainage möglich, die eine Wiedergewinnung des Wassers erlaubt.. Eine Wiedergewinnung aber auch des Düngers, der mit dem Beregnungswasser ebenso ins Grundwasser gespült wird. Von den Herbiziden will ich gar nicht erst reden.
Ich kenne keine einzige wirklich wirkungsvoll eingesetzte Anlage dieser Art, und bezweifle, dass es derartige, wirklich langfristig funktionierende, also wirksam Wasser und Dünger aus dem Untergrund zurückhaltende und weiterverwendende Anlage gibt.. Allerdings konnte ich die Konstruktionen in Marokko und Dubai bislang noch nicht besichtigen. Von diesen Anlagen könnten positive Impulse für Meisterschaftsplätze ausgehen. Aber davon kann ich nicht sprechen, denn meine Erfahrungen stammen nicht von einem Meisterschaftsplatz in Großstadtnähe , sondern von einem Landschaftsplatz. Einem Golfplatz auf dem Lande. Trotzdem wundere ich mich immer wieder, wenn ich von den Problemen der großen Golfclubs mit ihren Grüns höre.
Vielleicht sollten diese Clubs mal eine natürlichere Methode versuchen. Eine Rückbesinnung auf die Pflegemaßnahmen vor fünfzig Jahren. Diese Versuche wären ohne Risiko auf den Wintergrüns zu erproben. Kurz gesagt: höher mähen, keine Chemie und nur organisch düngen. Lieferadressen erhalten Sie von : information@oekogolfplatz.de.
Es muss jedem Gärtner und ist jeder Hausfrau klar, dass ein Unterbau aus grobem bis hin zum feinen Kies und Sand in der Oberschicht mit einem Anteil von ca. 10% Humus kein besonders gutes Wachstum für Gras gewährleisten kann. Die Bedingungen sind hier für Hydrokultur besser geeignet als für Rasenflächen. Trotzdem ist diese, die gängige Baumethode und wird immer wieder nachgebaut. Dies, obwohl bei der Zusammenkunft von Golfclub-Präsidenten und sonstigen Verantwortlichen doch immer das Gespräch auf die Renovierung ihrer Grüns kommt und die Adressen von Experten und Golfplatzbaufirmen von Hand zu Hand geht.
Gras kann auf Grüns, die in vorgenannter Bauweise angelegt wurden, nur dann gedeihen, wenn alle Voraussetzungen stimmen. Dies bezieht sich in erster Linie auf Düngung und Bewässerung und auf das Wetter. Leider haben wir nicht das Wetter aus dem Züchtungsland des Grassamens. Husten/Texas z.B.
Dies war früher ein großes Problem. Die Rasenzuchtanstalten haben inzwischen diesem Umstand Rechnung getragen und bieten Züchtungen an, die unserm Klima gerecht werden. Hier sind HESA/Darmstadt, GRAVENS oder WAGNER in Heidelberg zu nennen. Von Wagner wurden spezielle, von mir gewünschte, reine Grassamensorten zur Verfügung gestellt. Auch für die Neuanpflanzung von Grüns in Ruanda/Zentralafrika wurden mir geeignete Grassamen beschafft.
Unsere schablonisierten Aufbausysteme sind im wesentlichen dem modernen Sportplatzbau mit seinem weitaus größeren Problemen bei der Benutzung als dies beim Golf der Fall ist, entlehnt.
Sie ähneln im Aufbau gewöhnlich eher dem Straßenbau als einem vegetationstechnischen günstigen, sportfunktionellen, aber auch mit der Natur harmonierenden Aufbausystem. Ein steriler Unterbau, steht im Gegensatz zum Wunsch der Naturschützer, mit der Natur zu kooperieren.
Hier an dieser Stelle nun, sprechen wir, ich wiederhole das immer wieder, nicht von einem 18 Loch Meisterschaftsplatz in einem Ballungsgebiet, der auch dann noch besser für Mensch und Natur ist, wenn er mit Kunstdünger und Chemie in vernünftigen Mengen gepflegt und manikürt ist, als ein Parkplatz und ein Großmarkt. . Also von einem alternativen Golfplatzpflegekonzept.
Wir sprechen hier von einem Landschaftsplatz in ökologischer Bau- und Pflegeweise mit einer vernünftigen Frequenz, wie er auch - so in Schotten- von kritischen Umweltschützern akzeptiert werden kann. 9 Loch max.350 Mitglieder, 18 Loch 500 - 800. Ich hatte als 1. Vorsitzender in den Jahren von 1968 bis Ende 1991 einen kontinuierlichen anwachsenden Mitgliederbestand von ca.250 Mitgliedern und Gästen. Damit kann man den Platz in gutem Zustand erhalten und trotz niedrigster Mitgliedsbeiträge und nur zehn Mark Tagesgreenfee bezahlen.
Es ist dies, ein Landschaftsplatz, auch die am meisten geplante und erfragte Konzeption meiner Besucher gewesen. Wenn Naturschutzbeauftragte etablierter , großer Golfclubs zu mir kamen, hatten sie meist ein bestimmtes Problem. Mit Behörden oder Pflanzenkrankheiten.
Ich habe erlebt, dass auf Mallorca, obwohl es 13 Monate lang nicht richtig geregnet hatte, pünktlich um 18.00 Uhr die Regner eingeschaltet wurden und der Golfplatz beregnet wurde, während außerhalb des Zaunes um den Golfplatz herum die Felder kahl, rotbraun verbrannt waren und die blökenden Schafe zwischen den Steinen und Erdbrocken nach letzten Halmen suchten.
Der britische Agrar Ing. J.H. Arthur, schreibt in seinen "Basic Principees of Greenkeeping", die Pflegemethoden der Landwirte im Grünlandbau sei genau entgegensätzlich mit den Methoden im Greenkeeping. Und weiter behauptet er, gebe es in England überwiegend Golfplätze ohne Bewässerungsanlagen, so dass im Sommer öfter mal die Grüns braun sind, ohne wirklich Schaden zu nehmen. Denn einheimisches gesundes Gras regeneriert sich sehr schnell. Aber zum Gras selbst möchte ich erst später noch einmal kommen.
Zunächst soll eine spezielle Aufbaumethode der Grüns erläutert werden, für die ein entscheidender Punkt die Frage der Wasserversorgung ist.
Unter dieser Prämisse muss und kann eine Baumethode für die Grüns angewendet werden, die ohne übermäßige Bewässerung auskommt. Heute muss mit Wasser sparsam umgegangen werden, dafür gibt es verschiedene Gründe. Nicht nur, dass Wasser aus der Leitung längst zu kostbar und zu teuer geworden ist. Der Aufbau der Grüns kann somit nicht aus Wasser durchlässigem Kies und Sandschichten bestehen. Versucht worden sind noch unterirdische Bewässerungsmethoden mit transpirierenden Röhren.
Bei den Untersuchungen, auf diesem Gebiet, die ich in Österreich geleitet hatte, wurde ein Substrat als sehr nützlich entdeckt, dass zwei sehr wertvolle Eigenschaften hat, außer dass es ein reines Naturprodukt ist:
a.) Es kann Wasser speichern und b.) Es ist Struktur beständig
Es ist eine bestimmte Art RINDENHUMUS ; aus klein gemahlenen ( o-8) kompostierten Laubbaumrinden und Nadelbaumrinden gemischt. HORNOFLOR von Hornitex. Ein Produkt, das zunächst als Abfall auf die Müllkippe gebracht wurde. Heute wird Rindenmulch, das ist das Vorprodukt in grober unkompostierter Form allenthalben zur Niederdrückung von Wildpflanzen in Anlagen, Parks, Weingärten usw verwendet. Es kann Wasser speichern. In trockenen Zeiten wird so, noch lange Zeit, Feuchtigkeit für die feinen Haarwürzelchen des Grases zur Verfügung gestellt.
Nicht so bei Sand.
Für den Zweck des Grünsaufbau aber ebenfalls wichtig, ist die Beständigkeit der Struktur. Verantwortlich für diese wertvolle Eigenschaft ist das Lignin im Rindenhumus. Trotz Kompostierung bleibt bei einer Lagerung im Freien ein Haufen dieses veredelten Substrats annähernd so groß wie vorher. Im Gegensatz dazu sinkt ein Haufen Humus, also Komposterde stark in sich zusammen. Diese Eigenschaft fiel mir schon vor mehr als fünfzehn Jahren auf. Versuche in Österreich ergaben dann, wie bereits erwähnt, dass mit einem Sand-Erde-Rinden-Humusgemisch die besten Erfolge bei unterirdischen Bewässerungsversuchen zu erzielen waren.
Wir füllten in transpirierende Röhren mit gleichviel Druck Wasser. Dann beobachteten wir in Aquarien, in denen diese Röhren installiert waren, von außen, wie weit sich das Wasser aus den unterirdisch verlegten Rohren heraus ausbreitete.
Dabei stellte sich das vorgenannte Substrat als bestes Gemisch heraus. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen heraus wurden deshalb die Grüns beim Golfclub Schotten aufgebaut.
Lieferadresse für dieses Substrat kann erfragt werden bei : information@oekogolfplatz.de
Zunächst wurden die Flächen der vorgesehenen Grüns festgelegt. Die Flächen, meist Wiesen, wurden gefräst. Aufgefüllt mit der Erde aus den umliegenden Sandbunkern. Die Erde wurde zu gleichen Teilen mit Sand und Rindenhumus vermischt.
Damit wurden schließlich die Grüns modelliert. In die oberste Schicht wurde nochmals Rindenhumus eingefräst und dann mit gewaschenem Sand planiert und gewalzt.(Kommen Sie mir bitte nicht mit Pilzen. Aus dem Rindenhumus entstanden in Schotten noch nie Pilzschäden, nicht mal Hexenringe)
Bitte bedenken Sie, auch hier ist die örtliche Gegebenheit des Bodens für die richtige Mischung entscheidend. Z.B. würde ich in sandigem Boden sparsamer mit der Zumischung von Sand umgehen, oder in Lehmboden umgekehrt etwas mehr Sand einmischen.
Es sollte kein gewaschener Flusssand auf die Grüns aufgebracht. werden. Er enthält zu viele Schadstoffe, die den Grüns schaden, das Gras kann absterben Wir hatten so einen Fall.
Grubensand ist sauberer, wenn auch etwas schwieriger zu verteilen ist, solange er noch feucht ist..
Wir hatten das Glück in der Nähe des Golfplatzes Rasensoden ordentlicher Qualität (Sportplatzrasen) kaufen zu können.( Die Mischung enthielt auch Festuca und Acrostis)
Hier war das Gras unser Klima gewohnt und nicht zu empfindlich. Wir bauten Grüns aus diesen Rasensoden mit größerem Erfolg als eingesäte Grüns.
Auch waren die Rasensoden nicht mehr von fremden Pflanzen (Wildkräutern) befallen als die Eingesäten. Wir arbeiteten deshalb nur noch mit Rasensoden, denn die Flächen sind schneller fertiggestellt und bespielbar. Inzwischen werden zur Reparatur und hauptsächlich an den Abschlägen nur noch Rasensoden eingesetzt. Wir hatten dazu ein einfaches aber sehr robustes Rasensodenschneidegerät von Ransomes gekauft, dass am Traktor befestigt wird, so dass wir für Abschläge keine Rasensoden kaufen mussten.
Es bedarf einer gewissen Geschicklichkeit beim Verlegen der Rasensoden. Wir hatten für diese Arbeit einen älteren Mitarbeiter, der die nötige Geduld aufbrachte, die in Rollen oder in praktische Rechtecke geschnittenen Rasensoden wie ein "Pflasterer" in den Sand einzusetzen und festzustampfen. Die so aufgebauten und bepflanzten oder reparierten Grüns und Abschläge werden zunächst zusätzlich übersät und mit feinem Rindenhumus/Sandgemisch überstreut und feuchtgehalten. !!! Bis sich die Rasensoden richtig bewurzelt haben; das geht im Mai und Juni am schnellsten. Zunächst werden die Grüns nur mit einem sehr gut geschliffenen Fleymo-Mäher kurz gehalten. Auf diese Weise mähten wir im Laufe eines Monats immer kürzer.
Bei günstigen Wetterbedingungen konnten wir dann nach dem Mähen jeweils Walzen. Wir verwendeten dazu zunächst eine Handwalze, um nicht mit einer Zugmaschine auf die neu gebauten Grüns zu müssen. Bei viel Regen würde es der Untergrund auch einem noch so leichten kleinen Traktor übel nehmen.
Wieder ist das Fingerspitzengefühl des Greenkeepers gefragt, der entscheidet, wann zum ersten Mal ein Tripplex auf das Grün darf.
Es ist uns schon gelungen nach sechs Wochen auf teilweise neu gebauten Grüns zu spielen, bzw. bei Reparaturen die neuen Flächen mit einzubeziehen. Dies gelingt leider nicht immer.
Es muss bei der Gelegenheit nochmals darauf hingewiesen werden, welch verantwortlicher Mann der Greenkeeper ist. Die gesamte Golfanlage mit den heiligen Grüns ist ihm ausgeliefert, sie ist abhängig von seinem Wissen und Geschick, die sich nur voll entfalten können, wenn der Greenkeeper hervorragende Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten hat. Der Golfclub Schotten war unter meiner Leitung als Ausbildungsbetrieb für Greenkeeper unter Berücksichtigung ökologischer- und naturverträglicher Ausbildungsinhalte, anerkannt. (durch DVG 1989)
Wenn bei uns Volontäre oder Praktikanten arbeiteten, oder Greenkeeper anderer Golfclubs unsere Anlage besichtigten, wundern sich diese oft, dass wir unsere Mähmaschinen mit Kabinen gegen die Witterung ausgestattet hatten.
Jeder Mitarbeiter erhielt Gummistiefel, Handschuhe und Regenbekleidung. Dies alles und mehr sind keineswegs Geschenke vom Golfclub an den Mitarbeiter. Im Gegenteil, wir nützen uns selbst, wenn der Mitarbeiter keine kalten Hände und Füße hat. Wenn er nicht krank wird. Wenn er gerne arbeitet, dann arbeitet er gut. Pflegt unseren Platz gut. Ich weis von was ich spreche, denn ich habe diese Arbeiten zehn Jahre lang selbst gemacht.
Bevor der Bau der Grüns hier abgeschlossen wird, muss noch von den sogenannten "Wintergrüns" gesprochen werden: die Zweitgrüns !
Diese Wintergrüns oder Ersatzgrüns wurden bei uns das ganze Jahr über mit gepflegt, weil sie nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer gelegentlich bespielt werden. Dies ist überwiegend der Fall, wenn Pflegearbeiten auf den Sommergrüns ausgeführt werden. Vertikutieren und Sandeln sind wichtige, regelmäßig wiederkehrende Arbeiten auf den Grüns.
Zum Beispiel werden erst die Wintergrüns gemäht. Während die Sommergrüns gemäht werden, steckt der Greenkeeper die Fahne ins Wintergrün um und kann ungestört arbeiten. Mehr Infos dazu finden sich in einem nachfolgenden Bericht. über Zweitgrüns
Die Spieler werden somit im Spiel nur sehr wenig gestört. Unsere Wintergrüns wurden zunächst nicht extra angelegt, sondern an einer geeigneten Stelle in der Nähe des Sommergrüns aus dem Fairway herausgeschnitten. So, wie leider heute noch in den meisten Fällen und Clubs.
Erst im Laufe der Zeit, als wir bemerkten, dass an sehr nassen Tagen ebenso wie in sehr trockenen Phasen die Ersatzgrüns sehr gute Dienste leisten konnten, verbesserten wir bewusst die Qualität der Ersatzgrüns. Durch regelmäßiges Mähen sowieso; aber auch durch Einbeziehung dieser Grüns in allgemeine Pflegearbeiten, wie Düngen und Toppdressing, Vertikutieren usw. konnte eine Qualität erreicht werden, die es ermöglicht, werktags bei bestimmten Situationen die Sommergrüns vorübergehend zu sperren.
Wenn das Gras allzu sehr gestresst erscheint, oder, wie gesagt, Pflegemaßnahmen auf den Sommergrüns vorgenommen werden, spielten die Golfer auf den Ersatzgrüns ohne zu murren.
Es ist dies eine Methode, die noch viel zu selten angewendet wird. Wir empfanden es nicht als eine allzu große Mehrarbeit, wenn die Winter/Ersatzgrüns mitbearbeitet wurden.
In Maschinenstudien und Arbeitszeitanalysen konnte festgestellt werden, dass ein Mehraufwand an Zeit für die Wintergrüns leicht zu vertreten ist und die Vorteile, die erzielt werden bei weitem überwiegt.
So benötigte unser erster Greenkeeper bei gutem Wetter für alle 9 Sommergrüns mit einem Toro Greensmaster ca. 2 1/2 Stunden. Die Wintergrüns schafft er in knapp 2 Stunde. Dabei wurde kein Grasfangkorb verwendet. Der Grasabschnitt blieb auf den Grüns liegen. (Mit einem Ransomes-Grünsmäher vor einem Wettspiel dauert das Mähen der Grüns natürlich länger). Mit allen anderen Pflegearbeiten zusammen errechnete sich ein Mehraufwand von nur 17 % an Mehrkosten. Das steht in keinem Verhältnis zu dem großen Gewinn, der durch Zweitgrüns erzielt werden kann. Alleine die Reparatur von überbeanspruchten oder durchnässten Hauptgrüns übersteigen die geringen (Mit-) Pflegekosten der Zweitgrüns bei weitem.
Anfrage bezüglich BAU und Bewässerung der ökologischen GRÜNS
Sehr geehrter Herr ........
Es freut mich sehr, dass Sie wieder mit einem Golfplatzbauprojekt beschäftigt sind und ganz besonders, dass Sie nach ökologischen Gesichtspunkten planen und bauen wollen.
Gerne beantworte ich deshalb Ihre Anfrage bezüglich meiner Erfahrungen mit der Bewässerung von Grüns, die ich im Verlauf von zwanzig Jahren als Manager und Präsident, aber auch als Dipl. Greenkeeper in Schotten und auf verschiedenen anderen Plätzen gemacht habe. U.a. in Ruanda/Afrika.
Grundsätzlich ist der Bau von unterirdischen Bewässerungssystemen hier in Deutschland viel zu oft noch ein Prestigeproblem, als tatsächlich ein wirkliche Notwendigkeit. Viel zu viele Möglichkeiten, die weitaus ökonomischer und ökologischer sind, stehen uns aber zur Auswahl und zur Verfügung.
Als nach dem Krieg, die amerikanischen Besatzungstruppen den ersten Golfplatz mit unterirdischer Bewässerung , den Rheinblick bei Wiesbaden bauten, ahnten die meisten deutschen Golfer/innen gar nichts von dieser Möglichkeit.
Aber als wenige Jahre später die ersten Golfplätze wieder in deutsche Hände übergingen und Geld in die Clubkassen floss, wurde es den Verantwortlichen plötzlich klar, dass man ohne die Bewässerung nach amerikanischem Vorbild, wie im Golfclub Rheinblick gar nicht mehr leben konnte.
Wie bei all meinen Vorträgen räume ich auch hier ausdrücklich ein, dass es Golfanlagen in Ballungsräumen, ebenso wie Meisterschaftsanlagen geben wird, die das gebrauchen und bezahlen können. Diese Anlagen sind dann Parkanlagen gleich, besonders dann, wenn auch die Fairways bewässert werden können. Wir bespielen diese Anlagen mit Freude und sind beglückt von ihrem Anblick ob live oder im Fernsehen.
Deshalb muss von Fall zu Fall entschieden werden. Denn zur Bezahlung gehört natürlich nach dem teuren Einbau einer solchen automatischen, oder halbautomatischen Bewässerungsanlage, die Wartung und Unterhaltung. Letzteres wurde bei sämtlichen Planungen, die ich im nachhinein einsehen konnte, völlig unterschätzt. Wie viele beschädigte Sprinkler fallen uns auf und wie viele Abdeckungen finden wir eingebrochen, wenn wir mit wachem Auge über die Golfplätze wandern. Diese Reparaturen sind nicht nur enorm teuer, sondern auch für das, an regelmäßige Bewässerung gewöhnte Wachstum dieses Grases unbedingt erforderlich.
Dazu kommt, dass ein sparsames Bewässern , sobald eine Bewässerungsanlage gebaut ist, kaum noch praktiziert wird. Ob wohl das möglich wäre. Andererseits und außerdem wird das Wasser nicht nur bei uns in Deutschland immer teurer und so zu einem zusätzlichen hohen Kostenfaktor. Einmal damit begonnen, ist der Greenkeeper aber diesem Moloch für immer ausgeliefert.
Die Entscheidung für oder gegen eine unterirdische Bewässerung verlangt vom Golfplatzbauer bereits zu Beginn seiner Planung genaueste Information über die natürliche Niederschlagsmenge in der Region vom Wetteramt. Auch alt eingesessene Menschen, möglichst Landbewohner geben sehr wertvolle und richtige Hinweise, wann und wie lange mit Trockenperioden in Jahr zu rechnen ist, damit der Planer entsprechende Wasserreserven anlegen kann. Weiterhin benötigt er eine genaue Vorstellung vom späteren Spielbetrieb, der Frequentierung des Platzes, und den damit verbundenen realistischen Einnahmen. Denn bereits beim Bau der Grüns werden die Weichen gestellt. Hier muss entschieden werden, ob amerikanische Grüns mit ihrem sehr hohen Sandanteil und wenig Humus oder viel billigere traditionelle Grüns gebaut werden. Damit bereits entscheidet sich auch schon die spätere Pflege und Düngung der Grüns. Da amerikanische Grüns ständig bewässert und gedüngt und mit Chemikalien traktiert werden, sind die Grünsflächen nach kurzer Zeit tote Flächen. Totes Land. Totes Land aber muss mit Maschinen bearbeitet werden ( das bedeutet, spiken und alles was danach erforderlich ist) und im Winter müssen diese Grüns, mit ihrem feinen und empfindlichen Gras, das oft genug noch mit Samen aus Amerika und damit einem ganz anderen Klima wie hier , eingesät wurde, meistens gesperrt werden, sofern sie nicht unter einer wärmenden Dunstglocke einer Großstadt liegen. Traditionelle Grüns dagegen leben. Hier wird nicht mit Chemie jedes Leben zerstört und die Regenwürmer, die guten, billigen Mitarbeiter können ihre wertvolle Arbeit verrichten. Es gibt keine Rasenkrankheiten.... und keine damit verbundene Kosten.
Eine weitere Überlegung muss auch jetzt schon sein, wo die sogenannten Wintergrüns hin gebaut werden. Immer wieder stelle ich mit Erstaunen fest, dass selbst auf gut gestalteten Golfplätzen diese wichtige Überlegung vergessen wurde. Es werden wunderschöne Grüns angelegt und mit Wasser oder Bunkern geschützt, dass es ein Vergnügen ist, diese anzugreifen und zu bespielen. Kommt dann die kalte Jahreszeit, so sucht sich der Greenkeeper ein mehr oder weniger geeignetes Plätzchen und beginnt schon mal aus dem Fairway heraus eine Fläche zu mähen. Wie das dann wird, kennt jede Golferin/jeder Golfer aus eigener Erfahrung und er/sie ist nicht sehr glücklich darüber.
ZweitgrünsRechtzeitig, also bereits bei der Planung der Anlage, sollten deshalb auch diese Winter - ich möchte sie lieber Zweitgrüns nennen - eingeplant und mit gestaltet werden. Es ist mir bis heute nicht klar geworden, warum das von Fachfirmen immer wieder vernachlässigt wird. Möglicherweise sind es Kostengründe, die bei amerikanischen Grüns sehr hoch sein können. Bei traditionellen Grüns sind die Kosten sehr viel geringer und fallen kaum ins Gewicht, wenn sie nicht in Hindernisse eingebettet werden und nur als Ausweichmöglichkeit verwendet werden sollen. Zum Beispiel dann, wenn die Hauptgrüns bearbeitet werden: beim Mähen, fährt der Greenkeeper zu erst über das Zweitgrün und tauscht dann den blauen Pfahl mit der Fahne des Hauptgrüns aus. Das geht blitzschnell und hält den Spielbetrieb nicht auf. Bringt also zufrieden Golfer/innen und mehr Gewinn für den Verein oder den Golfplatzbetreiber durch mehr Frequenz. Ebenso ist es beim Sandeln und allen anderen Arbeiten; aber auch bei Trockenheit.
Die Kosten ihrer späteren Pflege , das gesamte Jahr hindurch, können nicht der Grund sein, dass diese Zweitgrüns nicht von Anfang an bei der Planung des Platzes, eine geeignete planierte Stelle in der Nähe des Hauptgrüns gefunden haben, denn diese Kosten sind sehr gering. Hierfür habe ich in Arbeitszeit- und Maschinenzeitstudien über Jahre, genaue Zahlen ermittelt. Danach ist eine Pflege der Zweitgrüns zusammen mit den Hauptgrüns ca. 17% teurer als die Pflege nur jeweils eines Grüns. Dies ist abhängig vom Wetter und der Qualifizierung des Greenkeepers und seiner Maschine. Das zweite immer mitgepflegte Grün bringt aber eine Verbesserung der Bespielbarkeit der Anlage und in erster Linie trägt es zu einer enormen Schonung des Hauptgrüns bei, was wiederum zu großen Einsparungen bei der Platzunterhaltung führt. Diese Einsparungen sind weit höher als die geringen Kosten der Pflege der Zweitgrüns.
In der Praxis wird dieses Prinzip bei den Abschlägen ganz selbstverständlich angewendet.
Man hat hier nicht nur verschiedene Abschläge für Damen und Herren und die Pros, sondern auch so groß dimensionierte Flächen, dass ein versetzen und regenerieren der benutzten und beschädigten Stellen leicht möglich ist.
Beabsichtigt also ein Golfplatzplaner auf eine unterirdische automatische Bewässerungsanlage zu verzichten, will er nur Himmelswasser und kein Grundwasser verwenden, so kann das Kostengründe haben. Es besteht auch die Möglichkeit, dass dies von der Genehmigungsbehörde so gefordert wird.
Selbst im wasserreichen Vogelsberg wurde eine Platzerweiterung bereits 1986 nur unter der Bedingung erlaubt, dass kein Grundwasser für die Beregnung Verwendung findet.
Der Planer wird sich die notwendigen elementaren Informationen über Klima und Niederschläge beschaffen und entsprechend bauen.
Wasserreservate Auf der einen Seite werden Wasserreservate gebraucht in denen Regenwasser gesammelt werden kann. Auf der anderen Seite befinden sich die zu bewässernden Flächen, in erster Linie sind das die Grüns, möglicherweise auch Abschläge, oft weit auseinander gelegen. Dazwischen liegt der Transport des Wassers von einem oder mehreren Sammelplätzen zu den verschiedenen Grüns und Abschlägen.
Die Wasserspeicher können in Form von, mit Plastikplanen ausgelegten Teichen, in denen Pflanzen und Tiere leben, geschaffen werden. Dies bereichert die Gestaltungsmöglichkeit der Golfanlage und kann einer Vernetzung beruhigter Zonen dienlich sein. Eine spezielle Beschreibung über den naturgerechten Bau von Teichen, aus den Händen von Fachleuten, sei empfohlen (oder kann hier angefordert werden) und vereinfacht diese Arbeiten ungemein und beugt Fehlern und unnötigen Kosten vor.
Die Beschaffung des Regenwassers erfolgt am einfachsten von Dächern des Clubhauses und der Nebengebäude, wie Maschinenhallen usw.
Es besteht auch die Möglichkeit Regenwasser zusätzlich aus den Wegseitengräben (oder Flutgräben genannt), die an allen Straßen und Wegen, meist auch an landwirtschaftlichen Wegen das Wasser sammeln und ableiten, in die Teiche einzuführen. Auch Tainagewasser aus Wiesen wird in diesen Wegseitengräben aufgefangen. Es handelt sich hier ausschließlich um Himmelswasser. Dennoch sollte der Anschluss von Wegseitengräben an die Wasserspeicher mit den zuständigen Naturschutzämtern abgesprochen werden. Untersuchungen haben bei mir im Vogelsberg ergeben, dass dieses Regenwasser gleichwohl einen Anteil an Düngestoffen enthalten hat.
Eine andere Speicherung von Regenwasser ist in Tanks möglich.
Gebrauchte Tanks von Speditionen oder Tankstellen dürfen nur in gereinigtem Zustand entsorgt, d.h. verschrottet werden. Solche gereinigten Tanks konnte ich preisgünstig anschaffen und bei sowieso vorgenommenen Baggerarbeiten beim Clubhausbau, mit in die Erde verlegen lassen. Hier wurde dann vom Dach aus schon in den Wintermonaten Wasser für die Monate Mai und später nochmals für den Monat August angesammelt.
Die Wasserversorgung aus diesen Tanks erwies sich als ebenso unkompliziert wie effizient. Keine Beschädigung der Pumpen, keine Verschmutzung der Filter. Einsatz jedweder Pumpe, z.B. Elektropumpen, aber auch die höchst leistungsfähigen, robusten und unkomplizierten Zapfwellenzahnradpumpen sind möglich.
Für den Transport des Wassers zum Verbrauchsort bieten sich zwei Möglichkeiten an. Eine sehr vereinfachte unterirdische Verlegung flexibler Hartplastikschläuche, mit denen durch Pumpen das Wasser zu zentralen aber sicheren, also nicht befahrenen Punkten, in der Nähe der Sommer- und den Wintergrüns ( oder Haupt- und Zweitgrüns) befördert wird. Hier nun kann der Greenkeeper mit einem mitgeführten Schlauch seinen mobilen Regner anschließen und diesen so aufstellen, wie es die Windrichtung und die Bedürfnisse der zu bewässernden Flächen auch tatsächlich brauchen. Dabei wird, wie bei anderen Arbeiten, der Spielbetrieb nicht gestört. Diese Methode kann man nicht als Automatische Bewässerungsanlage bezeichnen. Sie ist nicht nur billiger, sondern auch unvergleichlich störungsunanfälliger, weil keine Regner und Elektronik verwendet werden. Den Vorzug hat in der Praxis aber der Transport des Wassers in Wassertanks an einem Traktor bei uns gewonnen. Das ist nicht nur bei 9 Loch Plätzen viel praktischer, weil es eine ganze Reihne von Vorteilen mit sich bringt.
Denn dabei hatte sich die Möglichkeit der gleichzeitigen Düngung mit ergeben. Unsere Düngelauge/Konzentrat wurde in der notwendigen , also in unterschiedlicher Menge dem Wasser im Tank beigefügt. Die Menge des selbstangesetzten Düngekonzentrates ist vom Zustand der Grüns und von der Wetterlage abhängig. Bei heißem Wetter haben wir die Beifügung von Dünger sparsamer vorgenommen. Es wurde dann natürlich zum einen mehr Wasser ausgebracht und die Gefahr von Verbrennungen durch Überdüngung muss an heißen Tagen ausgeschlossen werden. Wobei darauf hinzuweisen ist, dass die Gefahr von Verbrennungen durch Überdüngung mit organischem Dünger im Beregnungswasser sehr gering ist. Wir hatten nie Probleme.
Alles in Allem haben wir unsere Grüns mit dieser Methode effizient und kostengünstig , unterhalten , also gute Ergebnisse erzielt. Sollten Sie spezielle Fragen haben, so zögern Sie bitte nicht, mich wieder anzurufen .
Anbei füge ich einen Bericht über die Grüns bei, der aus einem Konglomerat von Berichten über die Bau- und Pflegepraxis des Golfplatzes in Schotten stamm
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