BAU eines LANDSCHAFTSPLATZES
Beim Bau eines Golfplatzes werden die Greenkeeper leider gar nicht oder unzureichend mit einbezogen. Im Idealfalle arbeitet mindestens der 1. Greenkeeper beim Bau des Platzes mit. Dies erleichtert später den gesamten Arbeitsablauf und bewirkt eine positive Einstellung des Greenkeepers zu "seiner" Golfanlage. Es bewirkt eindeutig ein besseres Verständnis für die Eigenheiten des Platzes, für seine Problemfelder und kann sich somit günstig auswirken auf die gesamten Pflegearbeiten, die Düngung und im besonderen auf die Bewässerung. Ein Vorsprung des Verständnisses für den Platz auf der Seite des Greenkeepers von mindestens 1 - 2 Pflegesaisons bewirkt diese Einbeziehung. Da aber leider diese Möglichkeit noch nicht üblich ist, werden die Greenkeeper im wesentlichen mit der Umgestaltung befasst; evt. der Erweiterung des Platzes.
Die, mit der Erweiterung zusammenhängende Umgestaltung z.B. von zwei schwierig zu spielenden und zu pflegenden Bahnen in zwei lange und breite und damit günstig zu pflegende Bahnen, sind eine relativ einfache Arbeit, bei der nur die Landfläche und das Geld vorhanden sein muss. Viel interessanter ist die Arbeit für den Greenkeeper, wenn ein 9 Loch auf 18 Loch erweitert werden soll. Gerade hier haben sich in der jüngsten Vergangenheit wichtige gestalterische Veränderungen herauskristallisiert. Diese deutlichen Veränderungen beim Sportstättenbau sind nirgends stärker in Erscheinung getreten als beim Golf. Sie treffen nicht nur auf die Qualität der Bahnen und Grüns zu. Hier habe ich gerade in England die gravierendsten Unterschiede von einem Platz zum Anderen festgestellt.
Obwohl die Golfplätze oft so nahe zusammen lagen, dass man von einem zum anderen hätte zu Fuß gehen können. Dies beginnt schon beim Verlauf der Bahnen eines 18 Loch Platzes. (Aber auch eines 9 Loch Platzes; Beispiel Schotten). So wurde z.B. früher noch der 1. und 10. Abschlag in die Nähe des Clubhauses gelegt.
Dann konnten die Spieler die ersten oder zweiten 9 Löcher spielen. Heute bemühen sich die Golfplatzbauer/Architekten/Gestalter nicht nur in England, den Platz in drei Teile zu unterteilen. Der schnelllebigen Zeit gerecht werdend, legt man nun den ersten, den siebten und den dreizehnten Abschlag in die Nähe des Clubhauses. Man gibt somit dem eiligen Spieler die Möglichkeit, schnell noch mal sechs Loch zu spielen. In Fremdenverkehrsgebieten, wo genügend Golfer (Touristen) auftreten, etabliert sich längst wieder ein neuer Trend. Diese Lösung wird mit 3 Plätzen mit je 9 Loch noch effizienter erreicht.
Inzwischen ist mit Bad Griesbach eine Weiterentwicklung dieses Konzept auch in Deutschland realisiert worden. (Vergl. dazu : Vorbilder im deutschen Golf) Hier entstanden und entstehen noch mehrere 9 Loch und 18 Loch Golfplätze in unmittelbarer Nachbarschaft. Dies mit seiner Greenfee-Koppelung ist wegweisend für Golf als Breitensport in der Zukunft. Amerika kennt dies natürlich schon lange.
Andererseits wissen die Insider unter den Clubmitgliedern, sich auf dem Heimatplatz eine "kurze Runde" einzuteilen. Dabei kann es aber zu Störungen kommen, wenn abgekürzt und dazwischen gespielt wird. Hier bringt die Dreiteilung eines Golfplatzes unbedingt Ordnung ins Spiel.
Ein Golfplatz "existiert" ja mit seinen Spielern, ihrer Konzeption und der Ausrüstung in der entsprechenden zeitlichen und örtlichen Relation.
Diese Relation ändert sich ständig. Wenn der Golfplatzgestalter Erfolg haben will, muss er für seine Epoche und Umgebung entwerfen und dabei die Werte und Traditionen des Spiels beibehalten. Hier halte ich manche amerikanischen Plätze aus europäischer Sicht pervertiert. In den USA mag das passen. Zur US-Kultur.
Bei einer Umgestaltung trennt sich der traditionsbewusste Clubgolfer, ebenso wie der Greenkeeper nur ungern von seinen alten Bahnen, weil sie ihre Tücken und Schwierigkeiten, also ihren eigenen Charakter hatten. (Sie sehen, ich bin für Golf spielende Greenkeeper.)
Andererseits muss auch der "Kundenwunsch" und das Platzangebot nach den besten Möglichkeiten ausgenutzt werden, um eine störungsfreie Bespielbarkeit, d.h. einen schnellen Durchfluss der Spieler zu erreichen. Wenn dies auch unter Umständen den Platz langweiliger macht, so wird doch die Forderung gestellt, möglichst viele Golfer in den Club aufzunehmen und Gäste auf Greenfee spielen zu lassen. Das Geld wird für die Platzunterhaltung gebraucht. Eine "Ausräumung " der Natur ist oft die Folge, wenn der Platzausschuss eines Clubs nicht aus umweltbewussten Menschen, sondern aus schwachen Golfern besteht. Diese verbessern nicht ihr Golfspiel; sie lassen Bäume fällen und Hecken auslichten. Der Verlust von Rückzugsgebieten für Pflanzen und Tiere ist die Folge. Dies ist aber das schlechteste, was einem Golfplatz und der Natur passieren kann. Deshalb auch haben verantwortungsbewusste Fachleute Forderungen aufgestellt : Die Spielflächen möglichst schmal zu gestalten, Semiroughs angrenzen zu lassen und die Bepflanzungen zum Schutze der Natur und aus Sicherheitsgründen für die Golfspieler möglichst großflächig anzulegen.
Immer mehr setzt sich heute glücklicherweise der Anspruch auf Naturverträglichkeit der Anlage durch, auf die wir noch ausführlich eingehen werden, denn britische Untersuchungen haben ergeben, dass Anlagen, die noch aus "viel Natur" bestehen, sehr interessantes Golf bieten.
Eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen haben sich zum Wohle der Menschen auf diesen Anlagen ansiedeln können.
Vergl. dazu die Anlage im Kapitel WAS IST DER UNTERSCHIED. Bei all diesen "modernen" Gestaltungen bleibt das Spiel doch immer mit seinen Ursprüngen verbunden und wie gesagt, abhängig von den Traditionen.
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